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Briensertiitsch


Brienzerdeutsch, wie die Mundarten des gesamten Berner Oberlandes eine höchst-alemannische Sprache, wird in den Gemeinden Brienz, Schwanden und Hofstetten gesprochen. Im Berner Oberland wechseln die Mundarten von Tal zu Tal, häufig sogar von einer Ortschaft zur nächsten. Dies trifft in begrenztem Masse auch auf die Brienzerregion zu. Obwohl die drei Dörfer nur wenige Kilometer voneinander entfernt sind, weisen ihre Idiome auch heute noch gewisse individuelle Züge auf. Es braucht allerdings ein feines Ohr, um diese Unterschiede herauszuhören. Sie liegen weniger im Wortschatz oder den Wortformen als im Tonfall. So sprechen die Schwander eher bedächtiger udn oft mit einem Anflug von Näseln. In Schwanden und Hofstetten kann man vermehrt noch der ältern Form des "Uusiteennens" begegnen, d.h. einem stärkern Betonen der auslautenden Silbe, vor allem bei Verbgrundformen. In beiden Aussendörfern tönt der Brienzer eu-Laut zudem eher wie ou: Freuww - Frouww (Frau). Mit dem Dialekt von Brienzwiler nähert man sich bereits deutlich demjenigen von Meiringen. Nach Westen hin über Ebligen und Oberried, wo man noch die Entrundung kennt, gelangt man in den Bereich der Bödelimundarten.

A. Lauterscheinungen, mit denen sich das Brienzerdeutsche von den Dialekten der Nachbardörfer unterscheidet

Unterschiede zu den Bödelimundarten

Die Umlaute ö und ü kommen im Brienzerdialekt nicht vor (Entrundungen). 
Kurzes ö wird zu e, langes zu ee: Löffel – Leffel, schön – scheen.
Kurzes ü wird zu i, langes zu ie: Glück – Glick, hüten, hieten.   
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Der Hochdeutsche Zwielaut au, in den Bödelimundarten als ou gesprochen, wird in Brienz zu eu, im Tonfall näher bei öu:
Leub (Laub), Eug (Auge), Eutoo (Auto), Freuww (Frau) usw.
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Gleich wie auf dem Bödeli, jedoch mit einer leichten Färbung gegen üü hin, tönen dagegen die Wörter, in denen der au-Laut zu langem uu wird:
Huus (Haus), luut (laut), stuunen (staunen) usw.
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Wörter auf –en tragen in Brienz eine leichte Zweitbetonung:
Chooren (Korn), Faden, machen, hälffen usw.

Das sog. "Uusiteennen", ein deutliches Betonen der Schlusssilbe, wird nur noch von wenigen, älteren Leuten praktiziert.
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Weibliche Substantive mit dieser Zweitbetonung lauten westlich von Brienz auf –a aus:
Schuuflen – Schuufla, Buechen – Buecha, Gassen – Gassa usw.
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In einsilbigen Wörtern mit schwachen Endkonsonanten wird der Vokal im Brienzerdialekt kurz gesprochen:
Tag (nicht Taag), Mäl (Mehl), Ris (Riese), Trog, chon usw.
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Eine auffällige Besonderheit der Brienzermundart ist die Aussprache der Lautverbindung -chs:
In Brienz sagt man Fuchs, wachsen, Achsalp (nicht Fux, waxen, Axalp wie sonst überall im Berner Oberland).

Unterschiede zu den Haslimundarten

Der Hochdeutsche Zwielaut au wird in Meiringen und auf dem Hasliberg als öi gesprochen: Glöiben (Glauben), Röich (Rauch) usw., in Guttannen und Gadmen als oi: Loiben (Laube), oig (Auge) usw.
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Langes uu wird im Hasli zu üü: Huus – Hüüs, desuus – desüüs usw.
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Lautverbindungen, die in der Brienzermundart nicht vorkommen:
öe Bröeder (Bruder), Chöe (Kuh) usw.
äi Läitren (LeiterO, Stäin (Stein) usw.

B. Lautmerkmale, die das Brienzerdeutsche mit andern Mundarten des Berner Oberlandes gemeinsam hat

Entwicklung der Lautgruppe nk zu ch:
teichen (denken, triichen (tinken), Treuch (Trank), Weuch (Wank),
chreuchlich (kränklich). In der Sprechweise vorwiegend älterer Leute kann
sich das ch zu h verschieben: triihen, teihen usw.
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Einfügung eines e in Wörtern auf -rn:
Hooren (Horn), Gaaren (Garn), gäären (gern) usw.
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Längung von m und n nach langen Lauten:
ruummen (räumen), teennen (tönen), scheenn (schön), Treumm (Traum), Leimm (Lehm) usw.
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Mehrzahlendung –a in männlichen Wörtern: Bäärga (Berge), Taga (Tage) usw.
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Verstärkungen
Die schriftsprachliche Vorsilbe ge- wird in unserer Mundart vor Vokal und vor b, d, g, l, r und w zu bb, dd und gg:
ggachted (geachtet), bbliben (geblieben, ddanked (gedankt), ggän (gegeben), gglogen (gelogen), ggrichted (gerichtet), ggwunnen (gewonnen).

Verstärkungen im Anlaut tritt ebenfalls ein nach angeglichenem Schluss-n:
Duusse llaan (draussen lassen), i wwilde Wwällen (in wilden Wellen) usw.
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Schluss-n
In unserem Dialekt hat sich das Schluss-n erhalten, wird jedoch nur kurz ausgesprochen:
e Staägen, ässen, schriiben usw.

In Verbindung mit andern Wörtern wird es beibehalten:
vor Vokalen: en aalti Freuww, den andren o (den andern auch) usw.
vor den Konsonanten h und n: en Has, en Nagel usw.
und vor einen Sprechpause: Mier wein etz hein, chun Ätti.

Es wird angeglichen vor b, j, l, m, r und w:
em Beun, e Jjäger, e Lleww, e Mman, e Rratten, e Wwolken.
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Es wird abgeworfen vor den meisten übrigen Konsonanten:
e Chessel, e Fleigen, e Kanunnen, e Platz, e Quellen, e Sack, e Schlangen,
e Trucken, e Vogel, e Xaver, e Zinggen.
Desgleichen in zusammengesetzten Wörtern: Brunnetrog.

Vor d und g bleibt es bei einem Teil der Wörter erhalten: en Dieb, en Gaarten usw.
oder es wird abgeworfen: e Ddachs, e Ggugguuser (Kuckuck) usw.

C. Betonung und Klangfarbe

Wie im Hochdeutschen werden im Brienzerdialekt die meisten Wörter auf der Stammsilbe betont. Bei besonderer Betonung eines Wortes oder wenn ein Hinweis angebracht scheint wird der Vokal unterstrichen: hinderhan – hinderhan, Lamellen (Messerklinge), begellen (laut schelten).

Die Vokale a, e, o und der Umlaut ä werden sowohl als kurz wie als lange Laute offen und in mittlerer Stimmlage gesprochen:
Hals – Haar, Fescht – See, Holz – Doorf, Fäld – Bäärg.
Abgeschwächtes e in unbetonten Silben tönt leicht gegen ä hin: en Erläseten.

i und u sind als Kurzvokale offen, als Langvokale geschlossen, wobei uu mit leichtem Anklang an üü gesprochen wird:
Tisch – chriiz, hundert – tuusig
Langes, offenes i und langes, offenes u kommen in unserer Mundart nicht vor.

Die Umlaute ö und ü sind zu e und i entrundet:
Leww (Löwe),bees (böse), Glick (Glück), Fiir (Feuer).

Verallgemeinernd kann man sagen, dass im Brienzerdeutschen die Satzmelodie im Vergleich zu den Dialekten des Mittellandes melodiöser, singender ist.